Beruf und Zukunft

Wie geht es nach dem Studium weiter?

Weiterführendes Masterstudium

Im Anschluss stehen den Absolventen an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt Master-Studiengänge offen:

Ebenso haben sie natürlich Zugang zu Master-Studiengängen z.B. in Richtung Mathematik an anderen Hochschulen und Universitäten.
(Der Zugang zu Master-Studiengängen setzt i.a. einen guten Bachelor-Abschluss und evtl. weitere Bedingungen voraus, die in den jeweiligen Zulassungsvoraussetzungen nachzulesen sind.)

Direkter Berufseinstieg

Die beruflichen Perspektiven der Absolventen sind sehr gut. Stellen für (Techno-) Mathematiker finden sich in vielen Bereichen: In der Automobil- und Luftfahrtindustrie, der Robotik, der Logistik, im Werkzeug- oder Maschinenbau, aber auch in der Qualitätssicherung und -kontrolle und in der Datenverarbeitung. Auch im Umweltschutz, der chemischen Industrie, der Meteorologie, der Medizin oder der Biologie gibt es interessante Berufsmöglichkeiten für Technomathematiker.

Das Aufgabenspektrum reicht von statistischer Auswertung großer Datenmengen, statistischer Versuchsplanung, Entwicklung und Pflege technischer Datenbanken, Maximierung von Transportflüssen bis hin zur Mitarbeit an mathematisch besonders anspruchsvollen Projekten wie der Berechnung von Strömungen oder der Optimierung von ( Roboter-) Bahnen.

Mathematiker werden nicht nur wegen ihres spezifischen Fachwissens eingestellt, sondern auch, weil sie in der Lage sind, komplexe Probleme strukturiert und formal in kurzer Zeit anzugehen. Dadurch erschließen sich auch Tätigkeitsfelder außerhalb der Mathematik im engeren Sinne, z.B. in der Planung oder im Consulting. 

Weitere Informationen über Berufsaussichten und das Tätigkeitsfeld einer/eines Mathematikerin/Mathematikers sind auf diesen Webseiten zu finden:

Berufsporträt eines Absolventen

Wie sieht der Werdegang von Technomathematiker/innen konkret aus? Was macht man mit einem Bachelor-Abschluss in Technomathematik? Hier findest Du einige Porträts von Absolventen/innen mit einem Technomathematik-Abschluss an der FHWS.

M. Schäfer
M. Schäfer

Michael Schäfer

  • Studium Bachelor Technomathematik 2012 – 2016
  • Studium Master Mathematik OTH Regensburg 2016 – 2017 (3 Semester)
  • Seit 2017 als Mathematiker bei der Firma Preh GmbH, Bad Neustadt a. d. Saale

Masterstudium

Ich habe nach dem Bachelor-Studium die Ostbayerische Technische Hochschule (OTH) in Regensburg besucht, um dort den Master in Mathematik zu machen. Aus meiner Sicht hat dieses Master-Studium das BTM-Studium inhaltlich sehr gut ergänzt. Die rein mathematischen Kenntnisse aus dem Bachelor wurden im Master durch die (Pflicht-)Vorlesungen Algebra, Funktionalanalysis, Statistische Methoden und Nichtlineare Optimierung umfangreich vertieft:

Lineare Algebra/(Funktional-)Analysis (Bachelor) - Algebra/Funktionalanalysis (Master)

Wahrscheinlichkeitstheorie und Statistik (Bachelor) - Statistische Methoden (Master)

Lineare Optimierung/Numerik (Bachelor) - Nichtlineare Optimierung/Numerische Optimierung (Master)

Damit stellen die Ausbildungsinhalte im BTM-Studium aus meiner Sicht eine solide Basis für ein Master-Studium dar.

Für Abwechslung sorgten im Master-Studium die eher praxisnahen Vorlesungen, wie u. a. Bildanalyse, Kryptographie, Numerische Optimierung oder Simulation. Gut war dabei, dass es für jedes theoretische Fach auch ein praxisnahes Fach gab, so z. B. auch fur Algebra die Kryptographie. Das zeigt einem, dass selbst Algebra nicht nur reine Theorie ist. Darüber freut sich ein Technomathematiker besonders.

Masterarbeit

Für die Masterarbeit ging es für mich nach Bamberg zur Brose Fahrzeugteile GmbH. Das Thema lautete "Simulation und Auswertung der Bewegungen von Fertigungsrückstanden innerhalb mechatronischer Baugruppen". Im Prinzip ging es um die Betrachtung einer elektronischen Leiterplatte, die mit einer gewissen Anzahl an Schmutzpartikeln (Fertigungsrückstande) kontaminiert ist. Eine solche Leiterplatte im Fahrzeug wird naturlich Vibrationen durch das Fahren ausgesetzt, wodurch auch die Schmutzpartikel auf der Leiterplatte zu Bewegungen angeregt werden. Es galt zu klären:

Lasst sich eine Art "Ausfallwahrscheinlichkeit" fur die Elektronik in Abhängigkeit der Partikelbewegungen auf der Leiterplatte angeben? Dabei spielte Form, Material und Größe der Partikel ein wichtige Rolle. Metallische Partikel können Kurzschlüsse verursachen.

Das Ergebnis der Arbeit war ein Softwaretool:
Man konnte u.a. Partikelanzahl, -geometrie und -verteilung über der Leiterplatte vorgeben. Diese Informationen wurden automatisch einem Programm übergeben, durch welches ein Simulationsmodell aufgebaut und berechnet wurde. Die Simulationsergebnisse wurden automatisch ausgewertet und in Form eigens definierter Kennzahlen und Graphen ausgegeben. Dabei spielte Bildanalyse eine wichtige Rolle.
Die Arbeit war also sehr interdisziplinär: Softwareentwicklung, Simulation, Wahrscheinlichkeitstheorie, Statistik und  Bildanalyse. Mein Betreuer seitens Brose war hinterher der Meinung, dass es sehr gut war, einen Technomathematiker für diese Arbeit gewählt zu haben.

Ein wichtiges Kapitel der Masterarbeit mussten wir zwischendurch aufgrund zu hoher Rechenzeiten komplett umwerfen und uns anderen Lösungsansätzen zuwenden. In der mir verbleibenden Zeit war das eine Herausforderung. Am Ende wurde die Arbeit mit der Note "sehr gut" bewertet und mit einer kleinen Prämie ausgezeichnet.

Seitdem sehe ich die größte Starke eines Technomathematikers darin, sich Kenntnisse aus verschiedenen Bereichen schnell anzueignen (wenn nicht schon bekannt), diese gezielt einzusetzen und strukturierte Arbeiten abzuliefern. Ich habe erfahren, dass es manchmal zwingend notwendig ist, sich zügig neue Kenntnisse anzueignen.

Das zeigt, dass der Bedarf und das Interesse an Technomathematikern da ist und dass das BTM-Studium eine gute Grundlage bietet, sich die entsprechenden Fähigkeiten anzueignen.

Man muss an dieser Stelle auch sagen: Das Thema der Masterarbeit war "wie gemacht" fur einen Technomathematiker. Deshalb sollte ein Mathematik-Student rechtzeitig in Gesprächen mit den Betreuern ausloten, ob das angedachte Thema auch genügend Gehalt bietet, um eigene Stärken einbringen zu können. Das ist sehr wichtig, wenn die Abschlussarbeit in Kooperation mit einer Firma geschrieben werden soll. Eine gute Gelegenheit zum Ausloten der Inhalte bieten z.B. die Vorstellungsgespräche in den jeweiligen Firmen.

Berufseinstieg

Seit über einem Jahr arbeite ich bei der Firma Preh GmbH in Bad Neustadt a. d. Saale. Dort bin ich in der Mechanikentwicklung tatig und widme mich Simulationen sowie verschiedensten Berechnungsaufgaben. Bei den Simulationen handelt es sich hauptsächlich um strukturmechanische Analysen mittels der FEM. Die Firma Preh GmbH stellt Bedienelemente fur Autos und landwirtschaftliche Fahrzeuge her: Klima-Bedienteile, Lenkrad-Schalter, diverse Drehsteller/-knöpfe,  im Prinzip all die Schnittstellen zwischen Fahrer/Bediener und dem Fahrzeug. Die verbaute Mechanik ist meist sehr filigran um kompliziert.

Bisher bin ich dort als Technomathematiker/Mathematiker ein absoluter Exot. Umgeben von Ingenieuren kann ich immerhin den einen oder anderen Physiker zu meinen Kollegen zählen. Der "Exoten-Status" bedeutet zweierlei:

Meine Kollegen können noch nicht genau einschätzen, worin ich mich von einem Ingenieur unterscheide. Ich habe halt "irgendetwas mit Mathematik" studiert und bin offenbar "gut in Mathe". In diesem Aspekt müssen ich und andere Technomathematiker noch Aufklärungsarbeit leisten. Andererseits brauche ich Zeit, um im Tagesgeschäft der vielen Ingenieure zu erkennen, wann und wo ich meine Stärken am besten einbringen kann. Es ist also ein gegenseitiges Kennenlernen.

Ich denke, dass diese "Phase des Kennenlernens" nicht nur für mich, sondern fur das ganze Berufsbild des Technomathematikers notwendig ist und einige Jahre Zeit in Anspruch nehmen wird. Erst dann werden Technomathematiker - einfach ausgedruckt - bestimmte Aufgabenbereiche für sich "erschlossen" haben. Das werden vermutlich Aufgabenbereiche sein, die stark ausgeprägte analytische Fähigkeiten, logisches Denken und eine strukturierte Arbeitsweise erfordern. Reine Rechenaufgaben werden uns heutzutage von Computern abgenommen. Die Polynomapproximation einer Kurve aus Messdaten erzeugt EXCEL mit nur wenigen Klicks. Mit dieser Aufgabe wendet sich kein Ingenieur an mich. Die Entscheidung darüber, WELCHES Rechenverfahren WANN zum Einsatz kommt liegt aber (noch) bei einem selbst. Ab und zu sind es tatsächlich konkrete Rechenaufgaben, die ich schneller überblicken und lösen kann, als einer meiner Kollegen. Einmal wollte jemand wissen, wie man "Tschebyscheff" schreibt. Da konnte ich natürlich auch helfen:) Ich lerne jeden Tag von den Ingenieuren und umgekehrt, was wirklich interessant ist und großen Spaß macht. Vielleicht ist die momentane "Phase des Kennenlernens" sogar die spannendste überhaupt.